KIRCHENMUSIK

der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland

Mitteldeutsche Kirchenmusiktage vom 19. bis 23.09.2019 in der Hansestadt Stendal

Die Mitteldeutschen Kirchenmusiktage in Stendal klangen am 23. September mit einer mit Chormusik bereicherten Mittagsandacht aus. [siehe hier] Impressionen finden Sie unten in einer kleinen Bildergalerie. Weitere Bilder werden sehr gern im Zentrum für Kirchenmusik angenommen!

Aus der zahlreichen Teilnehmerschaft kamen viele positive Rückmeldungen zu Verlauf und Inhalt der Kirchenmusiktage. Anbei finden Sie die Rückmeldung der Kollegin aus Seehausen:
 

Mitteldeutsche Kirchenmusiktage – ein Erlebnisbericht

Weiterbildung, Exkursion, Kollegenaustausch…was können die Kirchenmusiktage nicht alles bieten?!

In Stendal verändert sich ab dem 19. September das Stadtbild. Nun ist die Stadt bevölkert von Kurz- und Langhaarigen Männern und Frauen in Anzug oder Ökoklamotte, die sich von einer Kirche zur anderen mit einer neu gelernten Melodie, psalmodierend, geistlich erhaben schwebend oder klopfend und klatschend bewegen.

Donnerstagabend beginnt das verlängerte Wochenende locker im Theater Stendal. Felix Reuter führt die Ironie des eigenen Daseins als Lehrer oder (un-?)wesentlicher Gestalter besonderer Momente im Leben anderer durch allseits bekannte klassische Stücke vor. Alle finden sich irgendwo wieder und lachen laut. Im kühlen, aber anheimelnden Domkreuzgang können die weit gereisten den Abend am Feuer ausklingen lassen, wie es in der Altmark üblich ist.

Die Aussicht auf die Morgenandacht im hohen Chor des Domes lockt zum ersten Seminartag aus den Betten. Aufstehen lohnt sich. Der Ort tut das Seine und die Schola der Hochschule für Kirchenmusik Halle tut das Ihre. Herr Dr. Dremel vermag es mit wenigen Worten Situationen und Stimmungen auf den Punkt zu bringen. Wir denken auch an dem Freitag an die Zukunft und werden uns neben dem morgendlichen Gebet für den Erhalt der Schöpfung auch teilweise auf dem Marktplatz um 14 Uhr zur Demonstration für Klimaschutz wiederfinden.

Grußworte betonen die Besonderheiten der Region, mehrmals fällt der neue Slogan der Altmark „In the middle of nüscht“, auf den die Altmark mittlerweile sehr stolz ist.

Nicht nur darauf kann sie stolz sein. Stendal bietet eine perfekte Location für eine Zusammenkunft dieser Art. Schöne Räumlichkeiten, das Domgelände, die Katharinenkirche, das Landratsamt, die Schulen und die wunderschöne Marienkirche. Für jede Veranstaltung findet sich der richtige Platz. Die Kirchendichte in der Altmark kommt uns in diesem Fall sehr zu gute.

„Hat das Buch eine Zukunft? Wird es in Zukunft noch Buchhandlungen geben?“ Mit einem interessanten Vergleich von LKMD Ehrenwerth werden die Mitteldeutschen Kirchenmusiktage eröffnet. Petra Hartlieb schreibt in ihrem Buch „Meine wundervolle Buchhandlung“, dass sie in letzter Zeit öfter zu Veranstaltungen mit diesen Fragestellungen eingeladen wird.  Es gibt durchaus eine Parallele zum Arbeitsgeschehen der KirchenmusikerInnen. Die BuchhändlerInnen spielen ihren Kunden vor, alles sei wie „früher“, sie bilden sich als Multitalente aus, „als Marketingexperte, Werbefrau, Grafikerin, Controlleur, Webdesigner, Veranstaltungsprofi, Verpackungskünstlerin, Psychotherapeutin.“ Eigentlich sei es gerade das, was die Buchhändler antreibt. „Weiterzumachen in Zeiten, in denen so anachronistische Läden wie unserer einmal pro Woche totgesagt werden. Weiter machen, weil uns nichts anderes übrigbleibt. Weil wir nichts besser können. Weil wir nichts lieber tun.“

Motiviert und ausgerüstet mit einem schön gestaltet und übersichtlichem Tagungsheft begeben sich die KirchenmusikerInnen nun als auf dem Weg weiterzumachen. Eine Mischung aus traditionellen Angeboten, wie Chorleitungsseminaren und Orgelkonzerten/-seminaren und modernen Angeboten, wie Popchor und Bodypercussion stehen den Teilnehmenden bevor. Die Mitteldeutsche Kirchenmusik findet wohl einen Weg einer wirklich vielseitigen Gestaltung der musikalischen Verkündigung.

Sie entdecken das Buch „EINFACH SINGEN“. Eine hilfreiche Sammlung von CircleSongs und Kanons zum Gemeindesingen. Im Chorleiterband sind Anregungen zur Durchführung der Lieder Beispielsweise in Kombination mit Bodypercussion oder als entfaltetes Chorstück aufgeführt. Dieses Buch gehört ab jetzt in jeden Kantorenhaushalt!

Eine Zusammenstellung von Arrangements für Chor und Bläser wird auch vorgestellt. „Kommt, atmet auf“ beinhaltet neue und nicht nur Junktimsätze bunt durch das Kirchenjahr, modern und traditionell arrangiert. Tilmann Benfer gibt den Aufstellungshinweis, die Bläser hinter den Chor, oder in der Vierung der Kirche links und rechts neben dem Chor, gegenüber voneinander zu positionieren.

Beim Workshop für SängerInnen 60+ werden die Wasserflaschen und Schläuche ausgepackt. Die innovative Methode ist auch gut in der chorischen Stimmbildung älterer Klassen anwendbar.

Einige reisen zur Orgelexkursion Richtung Osterburg. Eine restaurierte Buchholzorgel mit Herrn Schmeding und Kartoffeln und Schnitzel erwarten die Seminargruppe dort. Auch in Salzwedel versammeln sich Interessierte und nehmen die weite Fahrt in die andere Altmärkische Hauptstadt auf sich, um dort Martin Sander an der Orgel zu erleben. Die Türme der schönen Kirche und die wunderschöne Lütkemüller-Orgel in Seehausen werden rechts liegen gelassen.

Vermutlich der anstrengendste Workshop sind drei Stunden Bodypercussion.

Mehr als richtig singen ist das Motto der Kinderchorarbeit von Herrn Kinoshita. Sein Seminar begeistert alle Teilnehmenden ausnahmslos. „Klarheit, Atmosphäre, Kontaktaufnahme und Spaß trotz Disziplin.“

Die Mittagskonzerte waren eine schöne Tagesunterbrechung. Bach auf Vibraphon und Renaissance-Gitarre. „Antiqua Nova“ lässt uns in eine ruhige plätschernde Atmosphäre gelangen. Die Gebrüder Kaufmann entführen die Zuhörer Samstag in Fantasievolle Welten.

In der wunderschönen Stendaler Marienkirche konzertiert der Kammerchor Josquin des Préz. Die SängerInnen beginnen hinter dem Lettner und kommen dann nach dem ersten Kyrie vor den Altar. Die Kirche scheint sehr geeignet für das Repertoire von Renaissance bis Moderne.

Auch Jazzmusik findet ihren Platz zum geselligen Abend. KirchenmusikerInnen der Altmark stehen hinterm Tresen und verteilen Bier und Wein, irgendjemand hat noch Aufstriche und Antipasti zusammengestellt. …„one and to and three, for me, one and to, thats for you, one, well done, well done.“ Die KirchenmusikerInnen sprechen auch Englisch an diesem Gemeinschaftsabend.

Der Bischof, kaum im Amt, legt das Wort den KirchenmusikerInnen seiner Landeskirche aus. Sonntag im Gottesdienst wird kräftig gesungen und die Himmelsleiter, vertont als Tonleiter, die alle aufhorchen lässt, bildet das Zentrum der Predigt. Musik ist eine Leiter zum Himmel. Das „Sanctus“ der Popmesse von Michael Schütz, welches der Jugendchor Salzwedel unter Leitung von Matthias Böhlert performed, lässt zumindest schon den Himmel erahnen.

Die Auswertung des Gottesdienstes auf der Busfahrt nach Tangermünde am Nachmittag bleibt beim Fachpublikum natürlich nicht aus. Aber es geschieht auf zuvorkommende und respektvolle Weise, denn alle haben es im Grunde genossen. Das ist schön. Tangermünde auch. Und die Orgel auch.

Licht und Schatten, „lux in tenebris“ bildet am Sonntagabend einen berührenden und ausdrucksstarken, releavanten Höhepunkt für die Tagung. Helge Burggrabes Werk im Stendaler Dom, mit gelesenen Texten und Interpretationen durch Julia Jentsch, Lichtfacetten im Kirchenraum, deutsche Geschichte und Menschheitsgeschichte, Krieg und Frieden bauen eine Spannung auf. Diese hält Johannes Schymalla professionell in den Händen.

Ein gemeinsames Chorsingen am Montag bildet nach der Sitzung des Kirchenmusikerverbandes den Abschluss dieser intensiven Tagung. Jetzt ist der Donnerstag doch sehr lange her. Es war schön! Dankbar denken alle Teilnehmenden an die ehrenamtlichen und hauptamtlichen Organisatoren, die der Mitteldeutschen Kirchenmusik zu einem sehr sympathischen, motivierenden, frischen, Qualtitätsvollen, vielseitigen und tiefgründigen Image verhelfen.

Abschluss-Andacht mit Superintendent Kleemann. „Glotz zum Loben nicht immer nur nach oben guck auch mal zur Seite dann siehste die Pleite.“ Und jetzt Weitermachen, weil wir nichts besser können! Weil wir nichts lieber tun!

Sophie-Charlotte Tetzlaff